Ghostdance
- 16.04.2011 12:46
Insel
Nun, die Details hatten sich ganz eindeutig noch nicht entscheidend zum Besseren gewendet. Das deutlichste Detail, das sich immer noch mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit schob, ragte mittlerweile purpurn glühend steif empor. Doch konnte ich mich nicht entscheiden, ob dies nun eine Besserung war oder nicht. Zwar schien der schönen Amazone einerseits durchaus zu gefallen, was sie sah (zeichnete sich auf dem winzigen ledernen Dreieck zwischen ihren Beinen tatsächlich ein feuchter Fleck ab, oder waren das nur Fieber- oder Wunschfantasien, die meiner grenzwertigen Lage zu schulden waren???). Doch hinderte mich der verstärkte Blutandrang in meinem \"Glücksspender\" mehr und mehr am klaren Denken. Doch klares Denken war nun zuerst Imperativ, wollte ich unsere Lage doch noch wenden. Also verbannte ich für den Augenblick die überirdisch schönen Brüste, die endlos langen Beine und all die anderen süßen Ablenkungen, die die Gestalt jenes teuflischen Engels vor mir zu bieten hatte mit einem gigantischen inneren Seufzen und versuchte mich an einer Antwort.
\"In einigen Dingen, selbst einigen für uns Männer wenig schmeichelhaften muß ich Euch recht geben, will ich bei der Wahrheit bleiben. Doch nicht in allen. Es war das Blut, das mich herführte und weswegen ich diese Expedition guthieß und mich Ihr anschloß. Doch nicht allein das Blut, das meinen magischen Stab mit jener überwältigenden Kraft erfüllt, die ich Euch in Hochachtung und Ehrerbietung schon angedeutet habe, zur Verfügung stellen zu wollen, sondern meine Abstammung. Ihr müßt in Euren Annalen nicht viele Jahre zurück das Verschwinden einer vielversprechenden jungen Kriegerin des grünen Auges - damals erst um die 15 Jahre alt - verzeichnet haben, oder dieses selbst noch erinnern zumindest aus Erzählungen. Ihr Verbrechen oder Versagen war,die Königin, damals selbst noch in Ihrer Jugend, zu früh herausgefordert zu haben und zu unterliegen. Die Königin nutzte darauf ihr Recht, jene Kriegerin als Sklavin zu benutzen so sehr über Gebühr aus, daß diese das unvorstellbare tat und ihre Heimat, ihre Kriegerschwestern und alles, was ihr teuer war aufgab und lieber in die Fremde zog, in jene Welt der Männer, die Euch so verhaßt sind. Jener Kriegerin nahm sich mein Vater an, Ethnologe wie ich und heiratete sie, und sie wurde meine Mutter.Doch leider vermißte sie Eure/ihre Insel so sehr, daß sie früh starb. Und auch das Mißtrauen und die Demütigungen, die Ihr außerhalb unserer Familie von vielen - ich gestehe es mit dem größten Bedauern - entgegengebracht wurden, mögen dazu beigetragen haben. Doch erzählte sie mir von Beginn an mit Sehnsucht und glühender Leidenschaft von Eurer Insel und Eurer Kultur, so daß nicht nur Begehren und Sehnsucht, sondern auch Respekt für Eure frei gewählte Andersartigkeit schon früh in mir wuchsen. Nur von jener Königin sprach sie in kaum verhülltem, traurigem Zorn und Verachtung. Und schätze ich es richtig ein, so ist es eben jene Königin, gegen die Ihr Euren persönlichen Groll hegt, die immer noch im Amt ist. Ich werde nicht fragen, was Eure eigene Geschichte mit Ihr ist, wollt Ihr es mir nicht selbst offenbaren. Mein Halbwissen aber ist also eher im frühen Dahinscheiden meiner Mutter zu suchen, als darin, daß ich mir unbelegtes Bücherwissen zusammengeklaubt habe. Auch wollte sie mir nie alle Mysterien offenbaren. Doch wie Ihr sehen könnt, wenn Euer Haß gegen uns \"Untermenschen\" dies für einen Moment zuläßt: Mein Wissen kommt von \"Innen\". Ihr könnt mich nun als Sprößling einer Verräterin töten, als etwas das nicht im Einklang mit Eurer Überlieferung das Licht der Welt erblickte, als lebendes Sakrileg gleichsam oder Euch meinen Vorschlag in Ruhe und wohl abgewogen überlegen. Denn Respekt für Euch und Eure geheimnisvollen Wege lebt in mir und ich habe keinen Grund die Peinigerin meines eigenen Blutes zu lieben. Den Tod fürchte ich wenig. Doch bedenket auch dies, daß wenn diese Expedition nicht in angemessener Zeit zurückkehrt, es nicht unwahrcheinlich ist, daß ihr andere folgen werden, deren Beweggründe nicht gar so ehrenwert sind. Und sind wir auch Untermenschen, es gibt deren viel zu viele, als daß ihr sie alle Euren Haifischen verfüttern könntet.
In Eurem eigenen Interesse und dem Eures Volkes: Laßt uns diesen Pakt schließen! Denn ich weiß, Ihr seid würdig. Ihr tragt den Smaragd in Form eines aufrecht stehenden Auges auf der Stirn, das Zeichen des Geheimordens der Kriegerschwestern des Grünen Auges, die allein das Recht haben, eine Königin zu fordern.\"
Ich war außer Atem. Kein Wunder, mich immer mehr in einen Rausch redend, hatte ich ohne Punkt und Komma geredet. War das nun dem Bewußtsein der Möglichkeit einer womöglich doch recht kurzen Zukunft zuzuschreiben? Oder der Tatsache, daß ich unter allen Umständen, meine Fantasien unter Kontrolle halten wollte, was ich mit der atemberaubenden Kriegerin, auch wenn es das letzte wäre, was mir in diesem Leben vergönnt wäre, so alles anstellen könnte? Jene hatten sich nämlich trotz meines Redeschwalls ganz und gar ungefragt vor meinem geistigen Auge zu jagen begonnen? Jenes undurchdringliche, gefährliche, nicht zu deutende, doch sooo sinnliche Lächeln auf ihrem Antlitz, das sich dort mehr und mehr ausbreitete, wie auch die Gerte, mit der sie mir zunehmend provokant über mein \"Lichtschwert\" glitt, verbunden mit dem Bewußtsein völlig ihrer Gnade und ihren Launen ausgeliefert zu sein, könnten natürlich dabei auch eine nicht unerhebliche Rolle spielen, kam es mir in den Sinn.
Die Spannung kaum noch aushaltend, wollte ich endlich eine Antwort. \"Was sagst Du?\" fragte, vielmehr keuchte ich.
|