EROTIC BLOG

Ab nach Hause!

6. Juni 2010
Holzschnitt aus der Schönen Melusine (15. Jhdt.)

Holzschnitt (15. Jhdt.)

Das Essen war herrlich und trägt nicht auf, der Wein war teuer und nicht weiß, das Gespräch war unterhaltsam und nicht zu überhören, die Taxifahrt war kurz und nicht jugendfrei.

Und dann?

Wenn er Sie zum allerersten Mal zu sich nach Hause lotst, dann müssen Sie gerüstet sein! Vor allem dann, wenn seine Bücherregale im 1. Stock mehr Platz einnehmen als Ihre ganze Wohnung. Hören Sie?! Nicht gehen lassen! Wehe!

Alles ist einfach, wenn der Mann bloß hübsch anzusehen ist. Wenn er langweiliger nicht erzählen könnte. Wenn Ihnen schon die Art, wie er seine Schuhe im Vorzimmer platziert, widerstrebt. Wenn seine Bettwäsche nach zwei-Monate-Dauerschlaf aussieht. Sie wissen schon…

Aber wenn er Sie hofiert, wenn er Sie “kokett” und “Liebes” nennt, wenn man im Lokal vor ihm buckelt, wenn er Rilke wie seine Westentasche kennt, wenn er Ihre Lieblingsfilme im Director’s Cut oder lediglich in Originalfassung besitzt, wenn sein erstes Geschenk ein Halsband von Agent Provocateur ist, wenn Sie bereits feuchte Träume mit ihm darin hatten – … und Ihre Knie waren schon blutig und Ihr Hinterteil, ach, Ihr Hinterteil … – Himmel! Sollte dieser Mann Ihr Hirn ficken, bevor er überhaupt noch Ihren Arsch in der Hand hatte, müssen Sie dennoch standhaft bleiben. Sie haben doch einen Ruf zu verlieren! Nicht?! ;)

Bleiben Sie ja nicht beim ersten Mal! Gehen Sie auf jeden Fall heim! Los! Aber flott! Denken Sie nicht mal dran! Oder tun Sie zumindest so, als würde Ihnen eine Übernachtung nicht mal ansatzweise in den Sinn kommen! Wenn er Sie geschickt überredet, haben Sie hoffentlich Make-up und Co dabei! Wachen Sie dann auf jeden Fall früher auf als er! Duschen, schminken, Bauch einziehen! Das andere lügt man Ihnen im Film nur vor!

Warum ich mich so schulmeisterisch verhalte?
Alsdann… Der Abend war herrlich. Ja, und dann war es spät, ähm, früh, und ich wurde gedreht und gehoben und gedehnt und … ja. Und ich wollte eigentlich nicht heim. Ich dachte darüber nach, wie das wohl sein würde. Beim Aufwachen. Frühstück im Bad? Sex in der Bibliothek? Und ich meinte bloß, ich wäre müde. – Dann fährst du besser, Liebes! Frühstück gibt’s eh nie bei mir. – Ohoooooo…

Ich hab zu Hause noch ein SMS geschickt.
Wenn Frauen durch die Lust erhitzen, mann auch langt nach ihren Ritzen, schickt man nicht mal Nutten heim, voller Schweiß und Geilheitsschleim!

Es kam was zurück.
Ist das Brecht?

Ja, eh witzig.
Trotzdem!

This entry was posted on Sonntag, Juni 6th, 2010 at 21:55 and is filed under Allgemeines. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
Nightbloom sagt:
8. Juni 2010 um 21:28

In welchem Zusammenhang steht eigentlich der Holzschnitt mit dem Text??? ;)

Immerhin war dein (nachträglicher) Abgang poetischer als sein “Ich frühstücke lieber alleine”! Ansonsten bin ich zu unerfahren, was das ONS-Gebiet anbelangt ;).

wholey sagt:
12. Juni 2010 um 15:44

Tja,
die Kunst der hohen Minne wurde im 15.Jdt jedenfalls noch ernst genommen, und doch war es damals sicher genauso trügerisch um welche Erwartungen und Verläßlichkeiten man wirbt und umworben wird…
Sollte also ein traumhafter Verlauf einer Begegnung zu früh der Ernüchterung anheim fallen, so ist es jedem selbst überlassen, ob und wie lange er/sie den höchstpersönlichen Traum genießt und/oder spontan auslebt…
Angefixt durch Vielversprechendes Ambiente und Behaglichkeit mit einem dezenten Schuß Geheimnis und Zurückhaltung – so wird die Sehnsucht betörend geschürt und aber zumindest diese unbestreitbar schönen Gefühle können einem nicht genommen werden, wenn sie auch manch wenig tragfähigem Anschein von Eloquenz und Prinzentum entspringen…
“Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert”
…und vielleicht wäre der spontane Sex doch besser gewesen als der Hunger am Morgen danach… – oder am Ende gar eine frühe Enttäuschung… tja, wer weiß… und auch wofür’s gut ist… ;)
Frühstück kann Frau ohnehin bei Vertraulicheren einnehmen, bzw. andersweitig für das beinah völlige “leibliche” Wohl sorgen, oder?
Und außerdem ist das sündige Bändchen, für den Doggy-Style und mehr, mitnichten an ein bestimmtes Herrchen gebunden. Wer sich derart (ver-)führen lassen will wird auch eine andere Kette finden, an Die er sich willig legen lassen kann und möchte…

Nun denn, so kann die Moral von der Geschichte beider Art ausgehen und sowohl dem entgangenen möglichen Lustgewinn, als auch der erlebten Vorfreude auf neue Horizonte Bedeutung geben, die sich vermutlich bald durch Erfüllung in neuer Befriedigung relativieren…

Das selbst erdachte Gedicht gefällt mir übrigens sehr gut in seiner prosaischen direkten Ausdrucksform – die Antwort spricht ebenfalls “Bände”…

Deine Fantasie hält aber in der ausgeübten Praxis wohl deutlich erfüllender stand als sein Mangel oder eben nur Anschein davon…

neelaa sagt:
12. Juni 2010 um 19:45

mir war nach einem vollen schlafzimmer, nightbloom ;)

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